Jugendarbeitslosigkeit

„Der ärmste Mensch ist der, der keine Beschäftigung hat.“ Albert Schweitzer

Die Jugendarbeitslosigkeit in Freiburg ist sensationell niedrig: Nur 2,3 Prozent der hier lebenden Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind ohne Arbeitsstelle. Das bedeutet, dass 2016 im Durchschnitt lediglich 351 Bewohner Freiburgs zwischen 15 und 25 Jahren arbeitssuchend waren.

Das Siegertreppchen der Städte mit der geringsten Jugendarbeitslosigkeit teilt sich Freiburg mit Mannheim auf dem zweiten Platz (2,4 Prozent) und Heidelberg auf dem dritten (2,6 Prozent). Interessant ist auch, dass auf den ersten zehn Plätzen ausschließlich Großstädte aus den süddeutschen Bundesländern Baden-Württemberg und Bayern liegen.

Am schlimmsten steht es dagegen um die Beschäftigung der Jugend in Bremerhaven. Die als „einzige deutsche Großstadt an der Nordsee“ bezeichnete Stadt mit rund 115.000 Einwohnern liegt mit einer Jugendarbeitslosenquote von 13,9 Prozent auf dem letzten Platz. Trotz der Tatsache, dass hier statistisch gesehen mehr als jeder siebte Jugendliche ohne Beschäftigung ist, könnte man im europäischen Vergleich Bremerhaven als eine Oase der Jobmöglichkeiten betrachten. Italien mit 40,1 Prozent, Spanien mit 42,9 Prozent oder Griechenland mit dem Negativrekord von 44,2 Prozent Jugendarbeitslosigkeit sorgen dafür, dass in der Statistik die deutschen Großstädte insgesamt weit unter dem europäischen Durchschnitt von 20,9 Prozent liegen.

Mögliche Gründe für die Unterschiede
Unter anderem werden strukturelle Probleme für die hohe Zahl von arbeitslosen Jugendlichen in unseren vor allem südeuropäischen EU-Nachbarländern angeführt. Eine schon 2014 durchgeführte Studie der Robert-Bosch-Stiftung kam zu dem Schluss, dass beispielsweise Spanien ein großes Problem mit befristeten Arbeitsverträgen hat: Die Arbeitnehmerschutz-Regelungen für unbefristete Verträge sind dort so streng, dass Arbeitgeber diese Berufseinsteigern vorenthalten und ihnen möglichst nur befristete Arbeitsverträge anbieten.

Ein weiterer Grund für die Missstände ist laut den Forschern die geringe Qualität der Schulbildung und vor allem die mangelnde praktische Vorbereitung auf die Anforderungen des Arbeitslebens. Ein Beispiel: In Italien sind die Investitionen für die Grund- und Sekundarschulen im Verhältnis zur Zahl der Schüler seit 1995 nicht mehr erhöht worden.

Als Ursache für die außerordentlich gute Situation in Freiburg nennt der Leiter der Arbeitsagentur in Freiburg, Christian Ramm, die allgemeine Lage in Freiburg und Umgebung. Dazu trage beispielsweise die Jugendberufsagentur Gleis 25 bei, welche im Sommer 2015 eröffnet worden ist. Aktionen wie das „Speed-Dating“ oder die „Last-Minute-Börse“ für Lehrstellen zeugen laut Ramm von der guten Zusammenarbeit mit den Kammern und sind einer der Erfolgsfaktoren, die er in einem Artikel der Badischen-Zeitung vom 19. Januar 2017 anführte.

Übrigens: Auch die Gesamtarbeitslosenquote liegt mit 5,4 Prozent in Freiburg so niedrig wie seit 35 Jahren nicht mehr. Die heutigen Jugendlichen haben also auch später eine gute Jobperspektive.

Autor: Sebastian Vogt

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