Studium abgebrochen – und nun?

Nicht jeder findet auf Anhieb den Weg zur passenden Berufsausbildung

Die hohe Zahl an jungen Leuten, die ihr Studium an der Uni vorzeitig abbrechen, wird viel diskutiert. Was sind die Gründe dafür und was machen die Ex-Studenten dann stattdessen? Auch ich selbst habe vor meiner Ausbildung bei der Volksbank Freiburg bereits ein Studium abgebrochen. Genauso wie meine Azubi-Kollegin Nadine, der ich dazu im folgenden Interview einige Fragen stelle.

•    Nadine, wieso wolltest du eigentlich ursprünglich studieren?
Ich habe vor meiner Ausbildung die Fachhochschulreife gemacht. Für mich stand ursprünglich immer fest, dass ich damit ein Studium machen „muss“. Ich muss ehrlich sagen, dass uns das in meiner Schulzeit auch ein bisschen so eingetrichtert wurde. Jetzt, im Nachhinein, ist das für mich völliger Quatsch. Eine Ausbildung ist nicht weniger gut als ein Studium. Im Gegenteil, ein Studium ist eben auch nicht für jeden geeignet.

•    Und wie ist es dazu gekommen, dass du gemerkt hast: Für mich ist das Studium doch nichts?
Mir wurde nach knapp einem Jahr klar, dass der Studiengang, für den ich mich entschieden habe, nicht das richtige für mich ist. Und somit habe ich meinen Entschluss dann auch gefasst und das Studium abgebrochen.

Nadine Krüger hat sich umentschieden: Statt Studium macht sie jetzt eine Ausbildung bei der Volksbank Freiburg

•    Es war sicher schwer für dich, den Entschluss zu fassen, oder?
Es war tatsächlich keine leichte Entscheidung. Ich habe zwar gemerkt, dass es nicht das richtige ist, musst aber mit mir selbst kämpfen, es dann letztendlich auch durchzuziehen.

Es mag vielleicht blöd klingen, aber ich hatte das Gefühl ein Stück weit versagt zu haben. Dabei hat das natürlich überhaupt nichts mit Versagen zu tun, es kommt eben nur nicht immer so, wie man es sich gewünscht hätte. Ich finde, man kann nicht von jungen Menschen erwarten, dass alle direkt das Richtige für sich finden. Manchmal muss es eben über einen Umweg gehen, wie es bei mir der Fall war.

•    Nach dem Abbruch deines Studiums, wie bist du dann eigentlich auf die Bank gekommen?
Nunja, ich habe das Studium abgebrochen und stand quasi erst einmal vor dem nichts. Ich war total planlos, da bis dahin das Studium meine einzige Wahl war. Ich habe mich dann hingesetzt und ganz von vorne angefangen. An wichtigster Stelle stand für mich, dass ich mich gut darüber informiere, was man in den verschiedenen Berufen macht und mir vor allem auch klar zu werden, was mir Spaß machen könnte. Schnell kam raus, dass ich gerne weiterhin im kaufmännischen Bereich bleiben möchte und unbedingt auch mit Kunden in Kontakt sein will.

Nach ein paar Recherchen bin ich dann eben auf die Bankausbildung gekommen. Für mich kam hier alles zusammen, was mir Spaß macht. Organisiert sein, Spaß am Kundenkontakt haben und freundlich und offen sein, dazu ein wirtschaftliches Interesse.
Nachdem ich mich weiter Informiert habe, stand es für mich auch eindeutig fest: Ich möchte unbedingt in eine Bank gehen.

•   Und wie würdest du im Nachhinein deine Entscheidung bewerten?
Ich Nachhinein bin ich unglaublich froh über meine Entscheidung. Nicht nur, dass ich genau das Richtige für mich gefunden habe und mich super wohlfühle. Sondern auch über die Tatsache, dass ich durch meinen Studienabbruch viel über mich gelernt habe. Ich habe mich deutliche besser über den Beruf und die Bank informiert und wurde auch einfach ein Stück stärker durch die Erfahrungen, die ich gesammelt habe.

•   Das hört sich alles wirklich nach einer sehr guten Entscheidung für dich an. Hast du noch Tipps für Studierende, die sich in der gleichen Situation befinden?
Das wichtigste, dass ich allen mitgeben kann, ist: Nicht den Kopf in den Sand stecken! Es ist überhaupt nicht schlimm, wenn man über einen kleinen Umweg an sein Ziel kommt. Jeder sollte glücklich sein mit dem, was er beruflich macht. Und wenn man sich nun mal erst für etwas entschieden hat, dass doch nicht so ist, wie man es sich vorgestellt hat, sollte man nicht verzweifeln oder sogar an sich zweifeln. Viel wichtiger ist es, nach vorne zu schauen und nach dem Ausschau zu halten, was einen glücklich macht. Bei der nächsten Wahl sollte man sich unbedingt ein bisschen mehr Zeit nehmen und eventuell sogar vorher ein Praktikum absolvieren.
Wichtig ist auch, das man das Studium nicht als einzige Wahl sieht, nur, weil man das Abitur oder die Fachhochschulreife in der Tasche hat.

 

Ein paar Hintergrundinfos zum Thema Studienabbrecher
Was führt zum Studienabbruch? Sebastian Vogt hat sich informiert

Vielen Studierenden geht es ähnlich wie Nadine und mir vor nicht allzu langer Zeit. Nach einer Studie aus dem Jahr 2014 beträgt die Abbruchquote in Bachelorstudiengängen rund 33 Prozent. Das bedeutet, dass jede/r dritte StudienanfängerIn sein Studium nicht abschließt – eine erschreckend hohe Quote. Was aber sind die Gründe dafür?

Einige Gründe haben Forschungen der Universität Konstanz zutage gebracht: Die Uni befragte im Zeitraum von 2010 bis 2014 betroffenen Studierenden im Rahmen ihrer  Exmatrikulierung – und zwar sowohl AbsolventIen wie AbrechererInnen.

Ein wichtiger Aspekt sind anscheinend mangelnde Vorkenntnisse: So gaben laut der Studie 21 Prozent der AbsolventInnen und 45 Prozent der AbbrecherInnen an, dass ihnen im Studium mathematische Kenntnisse fehlten. Das Fehlen von naturwissenschaftlichen Kenntnissen allgemeiner Art gaben 9 Prozent der AbsolventInnen und ganze 38 Prozent der AbbrecherInnen an. Im Bereich der Kenntnisse und Techniken zum Verfassen schriftlicher, akademischer Arbeiten fehlten 52 Prozent der befragten AbsolventInnen und 45 Prozent der AbbrecherInnen laut eigener Aussage die notwendigen Vorkenntnisse.

Einen gewissen Einfluss scheint auch der Bildungsgrad der Eltern zu haben: Bei den Studierenden mit akademischem Background wechselten mehr ihr Studienfach, es gab jedoch weniger Abbrüche. Im Vergleich dazu gab es bei den Personen ohne akademischen Background mehr Abbrüche, weniger Wechsel, aber im gesamten mehr AbsolventInnen.

Eine erkennbare Auswirkung auf die Wahrscheinlichkeit, das Studium erfolgreich abzuschließen, haben auch die Motive für die Studienwahl. So gaben die AbbrecherInnen als Grund für die Wahl ihres Studienfachs häufiger die Antwort „keine bessere Alternative zum Zeitpunkt der Entscheidung“, als die AbsolventInnen.

Ein weiterer interessanter Unterschied war bei der These: „Alternativer Studienwunsch ließ sich nicht verwirklichen“ zu finden. AbsolventInnen gaben hier im Durchschnitt einen Wert von 1,6 und AbbrecherInnen 2,3 an. Viele der AbbrecherInnen scheinen also ursprünglich ein anderes Wunschfach gehabt zu haben. Als nach der Wichtigkeit des Profils des Studienganges gefragt wurde, gaben die AbsolventInnen 3,5 die AbbrecherInnen 2,8 als Wert an.

Abschließend lässt sich sagen, dass die Wahl eines passenden Studienfaches essenziell zum erfolgreichen Abschluss beiträgt. Viele Faktoren spielen eine Rolle – zwischen all den Zahlen wird vor allem eines deutlich: Es gehört einiges dazu, sich für den richtigen Weg zu entscheiden und spontane Entscheidungen, beispielsweise mangels passender Alternativen führen häufig nicht zum Ziel.

Vielleicht führen nicht alle Wege zum beruflichen Erfolg, es gibt jedoch viele Wege jenseits eines Uni-Studiums, die oft besser zu den Menschen passen, die sich bei ihrem Studium nicht mehr wohlfühlen und merken, dass sie eine Veränderung brauchen.

 

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