Das Weihnachtsgeschäft

- ein Indikator für eine stabile Wirtschaft?

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Die Ausgaben der Deutschen für Weihnachtsgeschenke steigen jährlich

Kaum ist die Halloweenzeit rum, werden die Schauermasken und Kostüme durch die Farben rot und gold, Männer mit weißen Bärten und eine Dauerschleife besinnlicher Musik abgelöst. Die Weihnachtszeit ist für die Groß- und Einzelhändler ein starker Umsatzbringer und für Weihnachtsfans die beste Zeit des Jahres.

Wohin das Auge auch schaut, überall gibt es die Verführung, seinen Liebsten ein Geschenk zu kaufen oder sich selbst eins zu machen. Ich habe mich schon oft gefragt, wie groß der prozentuale Anteil des Jahresumsatzes ist, den die Händler rund um die Weihnachtszeit machen und ob diese Zahlen einen Rückschluss auf die Gesundheit der gesamten Volkswirtschaft zulassen. Auf meiner Suche bin ich auf die ein oder andere Antwort gestoßen…

Wer profitiert vom Weihnachtsgeschäft?

Das Weihnachtsgeschäft ist die wichtigste Zeit für den Einzelhandel. Das macht die letzte Erhebung des statistischen Bundesamtes deutlich: Danach wird in dieser Zeit 18 Prozent, also knapp ein Fünftel des Jahresumsatzes, gemacht. Im Bereich der Bücher und Spielsachen macht die Weihnachtszeit sogar knapp 25 Prozent aus. Man kann also verstehen, warum Unternehmen jährlich sehr viel Geld in die Hand nehmen, um in ihren Einkaufsläden die richtige Weihnachtsstimmung zu schaffen.

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Die Deutschen werden dieses Jahr wohl erstmals über 90 Milliarden Euro für Weihnachten ausgeben

Aber nicht nur der direkte Eindruck im Laden  ist elementar, auch der richtige Onlineauftritt wird immer wichtiger für ein gutes Weihnachtsgeschäft. Denn die Zahlen der Onlineeinkäufe steigen nicht nur bei den alltäglichen Einkäufen, sondern vor allem beim Weihnachtsshopping. In Zahlen ausgedrückt hat sich der Onlineabsatz in den Monaten November und Dezember in den letzten fünf Jahren von knapp sechs Milliarden auf über 12 Milliarden Euro verdoppelt – allein nur in Deutschland! Der Onlinehandel hat aber noch Aufholpotential, denn für 2016 wird ein Gesamtumsatz zur Weihnachtszeit von 90 Milliarden Euro prognostiziert!

Wie teilt sich das Kaufverhalten der Deutschen auf die einzelnen Branchen auf?

Die Deutschen lassen sich das Weihnachtsfest von allen Europäern mit am meisten kosten. Durchschnittlich geben wir 613 Euro pro Haushalt aus. In dieser Summe sind Geschenke, Lebensmittel, Dekoration, sowie die Fahrten zu Verwandten oder Freunden enthalten. Am sparsamsten sind übrigens die Holländer mit 443 Euro.

Die Hälfte der gut 600 Euro geben die Deutschen für die Geschenke aus. Spitzenreiter sind unter den Geschenken Spielzeug und Gutscheine, wie auch Geldgeschenke. Im europaweiten Vergleich geben die Deutschen am meisten für die weihnachtliche Beleuchtung und das Essen aus. Übrigens wurden letztes Jahr in Deutschland knapp 108 Millionen Schoko-Weihnachtsmänner und Nikoläuse verkauft. Im Prinzip vertilgt also jeder Deutsche durchschnittlich 1,3 Schokoladenweihnachtsmänner. Ausnahmen natürlich nicht ausgeschlossen …

Welche Produkte sind deutsche Export- und Importschlager?
Deutschland exportiert jährlich 15.000 Tonnen Weihnachtswaren in die ganze Welt. Einen Großteil davon, etwa 7.000 Tonnen, machen Weihnachtsbäume aus, die vor allem in die südlicheren Regionen Europas geliefert werden. Gleichzeitig importiert Deutschland aber 19.000 Tonnen Weihnachtsbäume jährlich aus dem Norden und Osten Europas. Insgesamt importieren deutsche Unternehmen mehr als drei Mal so viel Weihnachtsware, wie exportiert wird! Das liegt hauptsächlich an den günstigeren Bäumen aus dem Osten Europas und dem billigen Christbaumschmuck aus Asien.

Vergleich: Wachstum des Bruttoinlandsprodukts und der Weihnachtsausgaben pro Haushalt
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) beschreibt den Gesamtwert der produzierten Waren eines Landes. Der Wachstumswert lässt Rückschlüsse auf die positive oder negative Entwicklung einer Volkswirtschaft zu. Ich vermute, dass die Entwicklung der Weihnachtsausgaben eng mit der Entwicklung des BIP zusammenhängt:

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Die Kaufkraft hat in der Volkswirtschaftslehre eine große Bedeutung

Das BIP Deutschlands wächst seit Jahren beständig mit durchschnittlich 1,3 Prozent. Die Ausgaben für das Weihnachtsfest steigen derweil im gleichen Zeitraum jährlich um knapp 2,5 Prozent. Der Umsatz im Einzelhandel zur Weihnachtszeit steigt im Vergleich sogar um durchschnittlich drei Prozent. Die Ausgaben steigen also ähnlich konstant wie das BIP.

Um diesen Gedankengang zu prüfen, habe ich geschaut wie im Krisenjahr 2008/2009 die Entwicklungen waren: In diesem Jahr war das BIP- Wachstum wie auch die Ausgaben in der Weihnachtszeit rückläufig im Vergleich zum Vorjahr, denn die Kaufkraft war geringer. In dieser Zeit schrumpfte die Konjunktur um fünf Prozent und die Ausgaben für Weihnachtsgeschenke sogar um zehn Prozent! Offensichtlich hängen die beiden Werte also zusammen.

Welche Gründe gibt es für diese Korrelation?

→ Wenn das BIP wächst,

→ bedeutet das, dass die Unternehmen mehr produzieren.

→ Dafür brauchen sie mehr Arbeitskräfte, es gibt also

→ mehr Leute mit regelmäßigem Gehalt und dadurch einen

→ stärkerer Konsum.

→ das betrifft natürlich auch die Weihnachtszeit, da mehr Geld zur freien Verfügung steht

→ durch den erhöhten Konsum, wächst wiederum das BIP weil mehr produziert wird.

Dieser Kreislauf ist einer der elementaren Grundpfeiler der Volkswirtschaft. Es ist natürlich eine sehr vereinfachte Darstellung, aber meiner Meinung nach kann man damit zeigen, dass die steigenden Ausgaben für Weihnachten ein Indikator für eine gesunde und stabile Wirtschaft sind. Also kauft euren Liebsten viele Geschenke und kurbelt damit die Wirtschaft an! 🙂

 Autor: Marc Schuler

Ein Gedanke zu „Das Weihnachtsgeschäft

  1. Hallo Herr Schuler,
    vielen Dank für den etwas anderen, sehr informativen Blick auf unsere Weihnachtszeit. Das letzte Geschenk wird heute noch eingekauft :-).
    Herzliche Grüße
    S.Leuthner

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